Heute ist Freitag, ich bin hier nun schon seit knapp zwei Wochen. Die Zeit vergeht sehr schnell, weil ich eigentlich immer irgendwas zu tun hab. Zum Beispiel die Namen lernen, versucht euch mal die Namen von 200 Jungs zu merken und dazu die passenden Gesichter. Ganz spannend ist der Name Peter. Ich hab immer noch nicht rausgefunden, wie viele Peters es hier eigentlich gibt, bestimmt ueber 10. Jeder Afrikaner hat neben seinem westlichen (hier meist englischen) Namen noch einen traditionellen. Das kann man mehr oder weniger mit dem vergleichen, was wir als Nachnamen kennen. Daran kann man zB die Peters unterscheiden. Das lustige hierbei ist aber, dass es ganze 4 Peter Mwangi’s gibt, wie man die unterscheidet kann ich mir noch nicht vorstellen…
Tatsache ist, egal, wie die Jungs heissen, sie sind einfach toll. Schon nach zwei Wochen kann ich mir kein anderes Projekt vorstellen und ich weiss nicht, wie ich nach einem Jahr wieder nach Hause gehen soll. Der Tagesablauf ist sehr strukturiert. Die Jungs muessen morgens um 5.20 Uhr aufstehen (in Zahlen: fuenf Uhr zwanzig). Der Tag sieht so aus
5.30 Uhr morning exercise
6.00 study time (also hinsetzen und selbstaendig lernen)
7.00 breakfast
7.45 assembly (das heisst antreten zur Eroeffnung des Schultages)
8.00 lessons
13.00 lunch (unter der woche gibt es jeden mittag “Gideri”, das sind Bohnen und Mais)
14.00 lessons
15.30 work (die Jungs gehen auf die Shamba, in die Staelle der Huehner, Kuehe, Schweine, Hasen oder putzen die Anlage)
16.30 Games (Volley-, Basket- und Fussball oder wahlweise Karate- oder Hockeytraining uvam.)
17.30 bath (es wird jeden Tag geduscht)
18.00 study time
19.30 supper (Abendessen)
20.30 rosary (ist ja ne katholische Einrichtung, deshalb wird jeden Abend Maria angebetet)
Danach gibts News und lustige nigerianische Soaps
Um 22.00 ist schlafenszeit
Gebetet wird eigentlich sowieso immer, vor dem Essen, nach dem Essen, vor der Schule, nach der Schule, vor dem ins Bett gehen, nach dem Aufstehen usw.
Mir macht das eigentlich nichts aus, auch wenn ich so gar nicht religioes bin. Ich mach halt mit den ich dabei bin, auch wenn ich die Gebete nicht kann (ausser “father, son and holy spirit, amen”). Die Jungs machen im Allgemeinen ziehmlich viel Sport und sind alle sehr fit und aktiv und vor allem unglaublich froehlich und nett. Und sie sind in allem was sie tun unglaublich gut. Wenn man nicht aufpasst vergisst man ganz schnell, dass diese jungen Menschen alle mal auf der Strasse gelebt haben, aufs schwerste misshandelt wurden, unter Drogen standen, keine Angehoerigen mehr haben und was was weiss ich was fuer Sachen erlebt haben. Nur manchmal, wenn man einem von den kleinen zB ueber den Kopf streichelt, er einen aber nicht sieht und dann bei der Beruehrung so erschrickt als haette man ihm eine gewischt, merkt man, dass manche von ihnen nicht daran glauben das andere Menschen(Erwachsene) ihnen etwas Gutes wollen.
Ich steh uebrigens nicht um 5.20 Uhr auf =) Ich schlaf gemuetlich bis gegen 7.00 Uhr, dann geh ich fruehstuecken bei den Salesian Brothers, so mit Toastbrot und Ruehrei und Marmelade und allem, dann leg ich mich nochmal hin und so gegen 9.00 Uhr mach ich mich dann auf den Weg zu meinen Lehrerkollegen um ihnen Guten Morgen zu sagen und n bisschen zu quatschen. Womit wir auch schon beim naechsten Thema sind:
Mein Job
Also ich bin meines Zeichens Computer Teacher. Das bedeutet, ich bringe den Kids bei mti den PC umzugehen, also tippen, Musik hoeren, CD brennen, Filme schauen, Excel, Power Point…alles was ein junger Mensch heutzutage eben so braucht. Ich unterrichte die Klassen 4-6 und die Novizen (Die Alterstufen sind hier in Kenia eigentlich gleich wie bei uns von Klasse zu Klasse. Hier bei den Bosco Boys kanns allerdings passieren, dass in der 6. Klasse ein 18-jaehriger sitzt, weil er eben erst vor 6 jahren, also mit 12 von der Strasse in die Schule kam)
Meine Arbeitszeiten liegen grob zwischen 10 und 15 Uhr wobei das von Tag zu Tag variiiert und ich zwischendurch auch Pausen hab. Das heisst im grossen und ganzen hab ich recht viel Freizeit, aber ich als Lehrerneuling bin darueber ganz gluecklich.
Seitdem ich hier bin kommt mir oft der Gedanke, dass derjenige der anfing zu behaupten, Amerika sei das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, nie in seinem Leben in Afrika war. Gestern Abend oeffnete einer der Jung seine Konservendose mit dem Griff eines Loeffels, Matatus fahren hier ohne Bremsen und Tueren durch die Gegend und das sind nur zwei von vielen Beispielen =)
Ich werde meinen Bericht an dieser Stelle beenden, es gibt noch viel worueber ich reden koennte, aber fuer heute ists genug.
Hoffentlich hoer ich bald was von dem einenen oder anderen von euch =)
Liebe Gruesse

Christine
Do, den 02. Okt 2008 12:04