<!-- /* Font Definitions */ @font-face {font-family:"Frutiger 55 Roman"; mso-font-alt:"Agency FB"; mso-font-charset:0; mso-generic-font-family:swiss; mso-font-pitch:variable; mso-font-signature:3 0 0 0 1 0;} /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:""; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-fareast-font-family:"Times New Roman"; mso-ansi-language:DE; mso-fareast-language:DE;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:72.0pt 90.0pt 72.0pt 90.0pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} -->
Am 5. Mai, haben wir den zweiten Term des Jahres und fuer mich, den letzten Term meiner Zeit in Bosco Boys begonnen. Nach wie vor wird es meine Arbeit sein, den 4. und 5. Klaesslern die Grundlagen der Computernutzung beizubringen. Die schlechten Ergebnisse der End-Term Exams im Maerz haben mich so demotiviert, dass ich mich richtig aufraffen muss, wieder zum Unterricht zu gehen, da es mir vorkommt, als wuerden die Kids gar nichts bei mir lernen. Ich werde also jetzt versuchen, nochmal eine kurze Wiederholung des Stoffes vom letzten Term zu machen und dann mit einem neuen Thema anzufangen.
Abgesehen davon fuehle ich mich in meinem Projekt mittlerweile fast schon wie ein Stueck vom Inventar. Ich hab mich sosehr an alle und alles gewoehnt, dass es mir schon fast ein bisschen langweilig wird. Momentan habe ich einen kleinen Durchhaenger, wie um die Weihnachtszeit herum. Daher versuche ich, moeglichst viel zu unternehmen, wenn ich gerade sonst keine Pflichten habe, um ein bisschen Abwechslung zu erleben.
Was meine Rolle angeht, bin ich, einfach durch meine Anwesenheit, immer noch eine Quelle der Abwechslung fuer die Jungs. Sie fragen mir auch nach neun Monaten noch ab und zu Loecher in den Bauch, ueber Deutschland, Europa, reisen mit dem Flugzeug usw. Die Jungs freuen sich (die juengeren ganz offen; bei den grossen merkt man es, wenn man sie ein bisschen laenger kennt), wenn sich jemand mit ihnen unterhaelt, spielt, oder einfach interessiert ist, da die anderen Staffs des Projekts zu sehr damit beschaeftigt sind, sie in ihren Schranken zu halten und nur selten zum Reden und Aehnlichem Zeit haben.
Von den Dingen, die ich gelernt habe, fallen die meisten wohl in die Sparte der zwischenmenschlichen Kompetenzen. Angefangen mit der Faehigkeit, Beleidigungen mehr oder weniger einfach an mir abprallen zu lassen, ueber die Tatsache, dass das, was jemand sagt, noch lange nicht das sein muss, was er meint, bis hin zu dem festen Glauben daran, dass ein junger Mensch, auch wenn er stiehlt und/oder luegt, noch nicht verdorben ist, sondern vielleicht einfach noch keinen Grund gesehen hat, sich zu aendern. Ich habe gelernt, dass gerade diejenigen, die sich selbst als gut preisen, oftmals die schlechtesten und verdorbendsten Charaktaere von allen sind, besonders unter den Erwachsenen. Und zu guter letzt habe ich Uebung darin bekommen, geradlinige von hinterhaeltigen Menschen zu unterscheiden.
Zugegeben, das hoert sich alles so unglaublich negativ an und es war auch nicht immer einfach, mit den Menschen umzugehen, besonders mit den Leitern meines Projektes, den Fathers, aber ich sehe all diese Sachen mittlerweile als gute Schule fuers Leben und habe dadurch ein gutes Stueck Naivitaet verloren.
Natuerlich gibt es auch gute Sachen die ich gelernt habe, zum Beispiel, dass man ueberall Freunde fuers Leben finden kann und dass ich mich so sehr in eine andere Kultur integrieren kann, dass meine eigene nur noch in Erscheinung tritt, wenn ich mit Leuten der gleichen Kultur zusammen bin. Es faellt mir auch viel leichter, mit fremdem Menschen ins Gespraech zu kommen und aufgrund oben genannter Faehigkeiten kann ich (oder zumindest glaube ich, zu koennen) die Leute recht schnell einschaetzen.
Ein anderer wichtiger Punkt ist die Selbsteinschaetzung. Ich bin viel sensibler geworden, was die Wirkung der Dinge angeht, die ich tue oder sage und wie ich sie tue oder sage. Ich stelle mir immer vor, wie ich auf mich reagieren wuerde, wenn ich jemand anders waere. Das hab ich zwar auch schon frueher getan, aber nicht so extrem und meine Einschaetzung wurde glaube ich immer von ein gewissen „Was ich fuer gut halte, muss auch fuer andere gut sein“-Einstellung geleitet. Das ich hier mit so vielen jungen Menschen, von denen die meisten mitten in der Pubertaet sind, so eng zusammenlebe, hat mich dazu gebracht, mein eigenes Verhalten sehr kritisch zu ueberdenken, denn ich will ein gutes Beispiel sein. Ich denke mit gutem, beispielhaftem Verhalten kann man bei meinen Jungs genauso viel beitragen, wie man mit schlechtem, unueberlegtem Verhalten zerstoeren kann, da die Jungs viele Dinge bewusst, oder unbewusst nachahmen.
Waehrend der Ferien habe ich angefangen, die Website von Bosco Boys zu aktualisieren und neu zu designen, da sie sehr veraltet und fuer meinen Geschmack unorganisiert und kitschig aufgemacht ist. Ich hatte diese Idee schon freueher, aber als ich Father Sebastian, unseren Rektor, darauf angesprochen habe, schien er mir nicht sehr interessiert. Um so ueberraschter war ich deshalb, als er mich dann im Maerz gefragt hat, ob ich genau diese Arbeit uebernehmen koennte. Mein Ziel ist es also, die Website Ende Mai, Anfang Juni zu beenden.
Mein zweites „Projekt“ ist es, mich am Ende meines Jahres in Bosco Boys mit allen Jungs zumindest einmal mehr als zwei Minuten unterhalten zu haben. In Anfuerungszeichen deshalb, weil man es eigentlich nicht Projekt nennen kann, da ich kein Buch darueber fuehre und am Ende kein Ergebnis sichtbar sein wird. Zumindest fuer niemanden ausser mir. Trotzdem, oder gerade deshalb, liegt es mir aber besonders am Herzen, denn ich will zum einen mit allen Jungs zumindest ein bisschen ueber die „blosse Begruessungsfloskeln austauschen“-Schwelle kommen und zum anderen will ich keinen der Jungs mit dem Gefuehl zuruecklassen, dass ich ihn ein Jahr lang nicht mal bemerkt habe. Einige der Jungs sind naemlich so schuechtern, sie trauen sich absolut nicht mit „Fremden“ zu sprechen und es gibt immer noch den ein oder anderen der ernsthaft ueberrascht ist, dass ich seinen Namen kenne.
Der einzigen Wunsch der dann noch uebrig bleibt, ist, noch ein paar mehr Orte zu besuchen, noch ein paar Erfahrungen ausserhalb Bosco Boys und ausserhalb Nairobis zu machen. Momentan schmiede ich Plaene, im Juni fuer einige Tage nach Uganda zu gehen und hoffe, dass es klappt und nichts dazwischen kommt.
Ansonsten freue ich mich mittlerweile auf zu Hause, auf mein Leben als Student, auf das ich mich jetzt, nach einem abwechslungsreichen Auslandsjahr, gewachsenem Selbstbewusstsein und grosser Selbstaendigkeit, richtig vorbereitet fuehle.


Luisa Barbera
Mi, den 29. Jul 2009 22:53